| Schneider, Stefan: Module PraktikantInnenausbildung bei mob/ strassenfeger. Berlin 2008 | | Drucken | |
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Module für die Ausbildung von PraktikantInnen bei mob e.V./strassenfeger (Baustelle)Erarbeitet von Stefan Schneider / Stand Mai 2008
Vorbemerkung/ EinleitungDer Verein mob e.V/ strassenfeger ist seit seinen Anfängen offen alle Arten und Formen der Mitarbeit. Eine besondere Form der Mitarbeit ist das Praktikum. Die hier vorgestellten Module für die Ausbildung von PraktikantInnen sind gedacht in erster Linie für Menschen, die sich im weitesten Sinne für den Bereich der Sozialen Arbeit/ Sozialpädagogik und auch Heilerziehungspflege interessieren, können aber auch als Orientierungshilfe für alle anderen Arten von Praktikum herangezogen werden, Interessant und bemerkenswert ist, daß der Verein mob e.V/ strassenfeger als Selbsthilfeprojekt im Grunde gar kein direktes Arbeitsfeld für Sozialpädagogen bzw. Sozialarbeiter darstellt. So ist beispielsweise nie in der Geschichte des Vereins ein Sozialarbeiter/ Sozialpädagoge hauptamtlich beschäftigt gewesen - das kann sich natürlich ändern - , und die wenigen ExpertInnen, die fachlich für die Rechts- oder Sozialberatung zuständig sind, kommen stundenweise dazu. Dennoch ist es gerade für Studierende der Sozialen Arbeit/ Sozialpädagogik wichtig, zu verstehen, wie ein von "Betroffenen" getragenes Projekt mit einem hohen Selbsthilfeanteil funktioniert, und welche Aufgaben der Unterstützung, Koordination und Assistenz auf Sozialarbeiter/ Sozialpädagogen zukommen könnten. Auch sind die hier genannten Hinweise kein starres Konzept, welches abzuarbeiten ist, sondern je nach Dauer des Praktikums und nach Schwerpunkt der Fragestellung können und sollen eigene Schwerpunkte gesetzt werden. I. Verein/ Vereinsprojekte/ GremienUm eine Organisation zu verstehen, ist es notwendig, sie umfassend kennen zu lernen. Das ist weitaus mehr, als überall mal gewesen zu sein. Ein grundlegendes Verständnis einer Organisation beinhaltet mehrere Dimension. Die eine ist natürlich, alle Einrichtungen, Projekte und Angebote möglichst vollständig kennen zu lernen und alle Aspekte zu erfassen. Zu einem vollständigen Blick auf eine Organisation gehören aber auch Fragen, die üblicherweise im Zusammenhang mit einer Organisationsanalyse gestellt werden, wie etwa
und weitere denbare Ordnungsaspekte, die hier nicht genannt sind. Die nachstehende Auflistung von Strukturen, Projekten, Formalitäten in Verbindung mit dazugehörigen ersten Fragen dient als erster Anhaltspunkt. Diese Auflistung hat die Funktion, neugierig zu machen und den Verein genau kennen zu lernen und sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden zu geben. A) Vereinsgremien
B) TeamsitzungenAllgemein: Wer trifft sich warum und mit welchem Ziel. Wer leitet die Versammlung, gibt es eine Einladung, eine Tagesordnung und Themen, wer schreibt Protokoll, was ist das Anliegen, der Gegenstand und das Ziel der Sitzung, wie werden die Ergebnisse dokumentiert und gesichert? Nach Möglichkeit an vielen Teamsitzungen teilnehmen, um die dort verhandelten Sachverhalte sowie die beteiligten Personen kennen zu lernen.
C) VereinsprojekteÜber den Umfang der Projekte sowie Abteilungen des Vereins gibt das Organigramm (= Strukturdiagramm) des Vereins in der jeweils aktuellen Fassung Auskunft. Dort sind auch die aktuellen Ansprechpartner genannt und die Zuständigkeiten ausgewiesen. Um einen vollständigen Überblick über den Verein und seine Projekte zu erhalten, macht es tatsächlich sind, alle oder nahezu alle Projekte und Abteilungen sowie Standorte zu besuchen, um einen direkten Eindruck zu erhalten. Gegenwärtig sind zu nennen an Projekten
Und an Abteilungen existiert gegenwärtig:
D) Formalia
E) Geschichte und Strukturen II
II. Hilfeangebote in Berlin und BrandenburgHilfelandschaft: Die Arbeit von mob e.V/ strassenfeger, und die Angebote, die sich vor allem an wohnungslose und arme Menschen richten - das alles passiert nicht im luftleeren Raum, sondern in Deutschlands Hauptstadt, die auch die Hauptstadt der wohnungslosen und armen Menschen ist, gibt es eine Reihe von Angeboten der Hilfe für Problemlagen, die direkt etwas mit Armut und Wohnungslosigkeit zu tun haben, aber auch für Themen und Probleme, die oftmals im direkten Kontext dazu stehen. (Einen ganz allgemeinen Überblick mit einigen ausgewählten Beispielen bietet der Text Einrichtungen und Projekte für wohnungslose Menschen in Deutschland. Eine Auswahl kommentierter Links mit dem Schwerpunkt Berlin) Bedeutung. Es gibt mindestens zwei wichtige Gründe, sich diese "Hilfelandschaft" - von einem Hilfesystem möchte ich hier gar nicht sprechen, das wäre unangebracht - genau anzusehen: In keiner anderen duetschen Stadt gibt es erstens derartig viele, derartig unterschiedliche und derartig spezialisierte Angebote wie in Berlin. Das hat manchmal auch schlichweg seinen Grund, daß in Berlin so viele Menschen wohnungslos und arm sind und sich bestimmte neue Problem- und Handlungsfelder in Berlin am frühesten manifestieren. Häufig finden sich auch Angebote, die innovativ, neu und in Entwicklung befindlich sind, in Berlin. Und zweitens trägt der Blick auf andere Einrichtungen, Angebote und vor allem auf andere Typen, Methoden, Ansätze und Selbstverständnisse der Hilfen dazu bei, einen differenzierteren und genaueren Blick auf mob e.V./ strassenfeger werfen zu können. Wo sind die Chancen und Grenzen einer Selbsthilfeorganisation, die nach dem Prinzip einer offenen Therapie funktioniert, was machen andere anders oder besser, wo sind Kooperationen, Vernetzungen oder sogar die bewupte Ausnutzung von Synergien sinnvoll und notwendig. Aber auch: Wo wird kontraproduktiv gearbeitet, wo schaden die Angebote eher als daß sie nützen, wo sind die Schwächen erkenbar und vielleicht: abstellbar? Organisation. Der Besuch anderer Einrichtungen und Gremien ist ein wichtiger Bestandteil des Praktikums und sollte intensiv genutzt werden. Innerhalb der Mitarbeit im Verein hat für Praktikantinnen die Hospitation ausserhalb Vorrang und sollte immer gefördert und unterstützt werden. Die Kontakte sind selbstverantwortich herzustellen. Da die Ressourcen der KollegInnen der besuchten Einrichtungen endlich sind, wäre es hilfreich, solche Hospitationen vereinsöffentlich anzukündigen und vorzubereiten, damit andere interessierte Menschen die Gelegenheit haben, dabei zu sein. Ausserdem sehen mehrere Menschen mehr als eineR. Auch eine Dokumentation der Ergebnisse im Strassenfeger ist - nach Absprache mit der Redaktion - denkbar. Handlungsfelder. Menschen, die ein Praktikum bei mob e.V./ strassenfeger machen, sollen sich in folgenden Bereichen grundlegende Kenntnisse erarbeiten:
Die Begleitung von wohnungslosen Menschen, etwa Gästen der Notübernachtung, bei Besorgungen, Ämtergängen, Erledigungen oder im Zusammenhang von Alltagserledigungen ist übrigens eine hervorragende Gelegenheit, andere Einrichtungen und Institutionen kennen zu lernen. Eine mögliche andere Herangehensweise, um Einrichtungen kennen zu lernen, könnte auch sein, gemeinsam neue Einrichtungen gemeinsam zu "erkunden", und somit das Angebot aus der Sicht eines Nutzers zu "erleben". Es ist allerdings ein Gebot der Fairnes, sich bei den KollegInnen der Einrichtung bei passender Gelegenheit zu "outen" und sich als PraktikantIn von mob e.V./ strassenfeger vorzustellen. Nun zu den Bereichen im Einzelnen: A) Fachgremien und Fachorganisationen
B) Hilfetypen und Angebotsformen
C) Spezialisierte Einrichtungen im Arbeitsfeld Armut
D) Informationssammlungen und Portale
F) Fachliteratur & Material (Auswahl)
III. Notübernachtung und begleitendende AngeboteSystematik. Die obligatorische Anbindung von PraktikantInnen der Sozialen Arbeit/ Sozialpädagogik/ Heilerziehungspflege an die Notübernachtung und der Bezug zum - gemischt besetzten - Team der Notübernachtung ist weder zufällig noch willkürlich. Dahinter steckt die Überlegung, dass zwar grundsätzlich überall in einem Projekt der Hilfe und Selbsthilfe armer und wohnungsloser Menschen soziale Aufgaben zu erwarten sind, aber oftmals andere Aspekte oder Anliegen im Vordergrund stehen. Bei den Zeitungsausgabestellen geht es um die Abgabe von Zeitungen an die VerkäuferInnen, im Treffpunkt Kaffee Bankrott ist häufig der Aufenthalt zum Mittagessen das zentrale Anliegen, und in der Redaktion geht es um bisweilen um Themen für die nächste Zeitungsausgabe, bei denen nun beim besten Willen kein Bezug zu sozialen Themen erkennbar ist. Deshalb die Notübernachtung als zentraler Bezugspunkt eines Praktikums der Sozialen Arbeit/ Sozialpädagogik/ Heilerziehungspflege, weil hier angenommen werden kann und muß, daß diejenigen, die dieses Angebot in Anspruch nehmen, nichts besseres oder nichts anderes haben, und daß dies eine schwierige, belastenden Situation darstellen kann. Geschichte. Die Notübernachtung zählt nach der Zeitung zu den ältesten Projekten des Vereins. Seit dem 18.03.1994 mit dem mob-magazin in Berlin eine der Vorläufer-Zeitungen des heutigen Strassenfegers auf den Markt kam und am 01.08.1994 in den Räumen des mob - magazins in der Kleinen Hamburger Straße in Berlin-Mitte der Verein mob - obdachlose machen mobil e.V. gegründet worden ist, kam im Herbst des Jahres 1994 von den VerkäuferInnen des mob - magazins mit Blick auf den drohenden Wintereinbruch die Frage auf, ob es nicht möglich sei, in den Redaktionsräumen zu übernachten - den schließlich würde nachts ja nicht in dem Büroraum an den Computern gearbeitet werden. Ein Wunsch, der in einem Verein, in dem es um die "Verbesserung der Lebensumstände obdachloser und von Obdachlosigkeit bedrohter Menschen" (das ist aus dem §2 der bis heute gültigen Vereinssatzung) geht, nur schwerlich abzulehnen ist. Das war der Beginn einer seitdem ohne Unterbrechungen existierenden selbstorganisierten Notübernachtung. Aus dieser Zeit resultiert auch das Konzept, dass die NutzerInnen sich mit einem Kostenbeitrag verbindlich an den durch das Wohnen entstehenden Mehrkosten (Verbrauch Heizung, Strom, Wasser, Betriebs-, Instandhaltungs- und Reinigungskosten) mit einem symbolischen Beitrag beteiligen. Im Verlauf der Jahre ist dazu noch eine Kampagne "Ein Dach über dem Kopf" hinzugekommen (in der Regel auf der Rückseite jeder strassenfeger-Ausgabe zu sehen), sodaß die Notübernachtung auf soliden f inanziellen Grundlagen steht. Der Selbsthilfecharakter der Notübernachtung ist in wesentlichen Elementen über die Jahre hinweg bestehen geblieben, auch wenn sich im Verlauf der Zeit vieles verändert hat. In der Anfangszeit der Notübernachtung waren es diejenigen, die am längsten da waren, die sich am besten auskannten und die von den meisten anderen als Autorität akzeptiert waren, die in der Notübernachtung Sprecherfunktionen innehatten. In den ersten Jahres gab es auch noch kein Drogenverbot wie jetzt. Erst eine langanhaltenden Diskussion um die Vergleichbarkeit von Alkohol, Hanf, Heroin und anderen nicht legalen Drogen führt zu der Entscheidung, den Konsum und das Mitbringen von Drogen aller Art innerhalb der Räumlichkeiten für alle zu verbieten. Kaffee, Tee und Tabak bildeten die Ausnahmen. Ein zweiter wichtiger Grund für das Drogenverbot war die sinkende Produktivität, die sich bei übermäßigem Drogenkonsum einstellt und die für ein Selbsthilfeprojekt eher schädlich ist. Im Verlauf der Jahre kamen zur Notübernachtung Menschen dazu, die diese Arbeit aus Interesse oder aus Gründen des Studiums oder der Ausbildung unterstützen wollten. Im alten Kaffee Bankrott, das sich in den Jahren 1998 bis 2003 in einer Ladenwohnung in der Schliemannstraße 18 in Berlin Prenzlauer Berg befand, waren Treffpunkt und Notübernachtung eng miteinander verkoppelt. Notübernachter kümmerten sich darum, den Treffpunkt früh zu öffnen und spät abends zu schließen. Die Mitarbeiter im Treffpunkt hatten ein offenes Ohr für die Anliegen der Notübernachter. Man war aufeinander angewiesen. Eine wichtige Funktion nahm die Sozialberatung ein, die einmal wöchentlich stattfand. Teammitarbeiter sowie Notübernachter nahmen gerne dieses kostenlose Angebot einmal in der Woche im Treffpunkt Kaffee Bankrott an. Mit dem Umzug in die Prenzlauer Allee 87, der räumlichen Vergrößerung sowohl des Kaffees als auch der Notübernachtung in Verbindung auch mit der räumlichen Distanz durch die beiden Ebenen Erdgeschoß und 1. Stock im Seitenflügel stellte sich sehr bald heraus, daß die Notübernachtung sich weder selbstverwaltet verselbstständigen konnte oder durfe (nächtliche Parties im Treppenhaus, Mißachtung des Drogenverbotes, Unterlaufen des Eigenbeitrags durch Öffnung des Notausgange) und gleichzeitig eine Bewirtschaftung durch das Team vom Kaffee Bankrott "so nebenbei" nicht zu machen war, fiel im Jahr 2004 die Entscheidung, ein eigenständiges Team der Notübernachtung zu gründen. Stichwortsammlung. Teamstrukturen, Teamsitzungen, Konzeptionelle Überlegungen, Zusammensetzung, Abgrenzung zum betreuten Wohnen, Ämtergänge und Unterstützungsstrukturen, 8- Wochen-Regelung, ergänzende Angebote der Sozialberatung, später der Rechtsberatung, seperater Frauenraum, Entstehung der Praktikumsstelle und Anerkennung, Hunde, FSJ-lerinnen, Kontinuitätsproblem, und vor allem betonen, daß eine Reihe von Problemen systematisch und typisch sind für das Betreiben einer Notübernachtung. Sowie Hygiene, Unterlaufen Drogenverbot, Lethargie der Gäste, Krisenartige Situationen, Strukturwandel, Migrantinnenanteil, nicht nur für Verkäuferinnen des Strassenfegers usw. Kompetenzen und Aufgaben im Zusammenhang mit der Notübernachtung (Aufzählung ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Dabei gilt der Grundsatz, daß PraktikantInnen grundsätzlich Lernende bzw. Auszubildenden sind und sie alleine keinen Dienst und keine Schicht übernehmen, sondern nur zusammen und in Absprache mit den Diensthabenden eigenverantwortlich handeln.
IV. Lebenslage und Alltag wohnungsloser und armer MenschenDie besondere Chance der Mitarbeit in einer Organisation der Hilfe und vor allem der Selbsthilfe armer und wohnungsloser Menschen besteht in den Spielräumen, die in einem solchen Projekt im Unterschied zu konventionellen Trägern der Wohnungslosenhilfe bestehen. Die Spielräume ergeben sich aus eben diesen Charakter und den flachen Hierarchien. Der Verein muß nicht irgendwelche Integrationsprogramme absolvieren, sondern setzt sich selbst seine Ziele und bestimmt autonom über seine Projekte. Und arme und wohnunslose Menschen sind direkt an vielen Initiativen des Vereins beteiligt. Sie können selbst Mitglied werden und über die Geschicke des Vereins auf den in der Regel zweimal jährlich tagenden Mitgliederversammlungen teilnehmen. Wichtiger als dies ist aber die potentielle Durchlässigkeit des Vereins für Menschen von der Straße. So ist es möglich, ehrenamtlich in allen Projekten mitzuarbeiten, im Verein "Freie Tätigkeit", also Arbeit statt Strafe abzuleisten, und der Verein ist und war auch immer Einsatzstelle oder Träger für verschiedene Arbeitsintegrationsmaßnahmen, etwa den sogenannten 1-Euro-Jobs, und weiteres mehr. So kann es sein, daß der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin im Personalbüro, in der Küche, hinterm Tresen, im Notübernachtungsteam oder der Redaktion selbst vor gar nicht allzu langer Zeit wohnungslos, Gast in der Notübernachtung, oder im Verkauf der Straßenzeitung strassenfeger tätig war. Selbst Leitungspositionen sind bisweilen von Menschen besetzt, die wohnungslos waren oder sind. Mit anderen Worten, die klassische Trennung von Klienten und Experten gibt es bei mob e.V. nicht. Selbstverständlich gibt es eine über die Jahre entwickelte Arbeitsteilung, und es gibt Zuständigkeiten, Leitungsaufgaben und Verantwortlichkeiten. Aber grundsätzlich folgt der Verein der Überzeugung, daß jeder und jede selbst Experte seiner Lebenssituation ist und daß sehr viele Kompetenzen und Fähigkeiten im Austausch mit anderen entwickelt und verstärkt werden können. Und der Verein selbst ist im besten Fall eine Art Plattform, ein Rahmen oder ein Dach, um dieses alles erreichen zu können. Gerade der Treffpunkt Kaffee Bankrott ist ein (idealtypisches) Beispiel für dieses Konzept. Ganz unterschiedliche Menschen begegnen sich hier, weil sie einen Kaffee oder Tee trinken, frühstücken oder ein Mittagessen einnehmen wollen. Auf den ersten Blick ist nicht erkennbar, ob der Gast ein Mitarbeiter, ein Straßenzeitungsverkäufer, ein Notübernachtungsgast, ein Nachbar oder ein freiwilliger Helfer ist. Und das ist auch gut so, weil in solch einem Rahmen die Chance zu unvoreingenommenen Gesprächen und Kontakten besteht. Und dennoch ist diese Offenheit immer bedroht, weil es Menschen gibt, die dominieren wollen, die nicht in der Lage sind, Konflikte konstruktiv aufzulösen, die sich beweisen wollen, die gerne auf andere herabsehen oder die einfach aus Mangel an Selbstbewußtsein Profilierungssüchtig sind. So ist das Erreichte immer labil und gefährdet, so ist die scheinbare Leichtigkeit, in der manchmal alles passiert, Resultat von langwierigen Auseinandersetzungen und Klärungsprozessen und immer auch eine Zwischenetappe. Für Menschen im Praktikum heißt dies, daß an vielerlei Stellen Raum ist für Begegnungen, für Fragen und für unvoreingenommene Kontakte und weitergehende Absprachen. In der Kehrseite bedeutet dies aber auch, daß immer mit dem Unvorhergesehenen gerechnet werden muß, mit einem unverschämten Auftritt, mit Beleidigungen und Eskalationen, mit Rückzug und Trotz, mit unausgesprochenen Erwartungen und offen vorgetragener plumper Anmache. Aber das Erleben ist immer ein wechselseitiges, und auch der oder die andere erlebt eine ihm fremde Person in einer Artikulation seiner selbst, die immerhin fragwürdig ist - zu Recht. Daß ein Zusammenleben auf Zeit, für ein paar Minuten oder Stunden, bisweilen für Wochen, Monate und Jahre möglich ist. liegt zum einen an den drei wichtigsten Grundregeln, die überall durchgesetzt sind und die ein Minimum des miteinander Auskommens beschreiben: Keine Gewalt, keine Drogen, keine sexuelle Belästigung. Die Überschreitung dieser Grenzen sollte lautstark aktikuliert werden, ohne Ansehen der Person hinein in den öffentlichen Raum. Es ist zum zweiten diese geschützte Öffentlichkeit, die in den Räumen möglich ist, die Sicherheit vermittelt. Nie ist jemand wirklich allein, auch wenn er oder sie respektvoll in Ruhe gelassen wird, vielleicht auch nur aus einer Gleichgültigkeit heraus. Die Bedeutung dieses Konzepts besteht darin, arme und wohnungslose Menschen in ihrer Logik und in ihrer Sichtweise ernst zu nehmen und ihre Sicht auf die Dinge als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen zu nehmen. Es eine häufig zu beobachtenden Arroganz der Sozial Arbeitenden, zu wissen, oder besser zu wissen zu meinen, was gut tut, was not tut, was richtig ist. Aber ist das so, ist das richtig? Auch die Entscheidung, ob nun erzwungen oder billigend in Kauf genommen, auf der Straße zu leben, verdient Respekt, genauso wie die Entscheidung, dieses Leben trotz anderweitiger Angebote fortsetzen zu wollen. Das gilt für den Konsum von Drogen und anderen Lebensentscheidungen genau so. Das bedeutet nicht, daß wir das kritiklos zu feiern hätten, aber zu respektieren haben wir es. Und zwar nicht nur aus Respekt und Achtung gegenüber der einzelnen Person, sondern aus Gründen der Achtung der Menschenrechte überhaupt. Es gibt kein Gesetz und keine Norm, die Menschen zwingen könnten, so zu leben, so zu denken und so zu handeln, wie die meisten es tun. Es muß in einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft immer möglich sein, auch einen anderen Entwurf zu leben, einer anderen Utopie zu folgen. Nicht, daß wohnungslose und arme Menschen die besseren Menschen sind, aber diese extreme Form der Not beinhaltet nicht nur eine oftmals vorhandene Hilfebedürftigkeit, sondern immer auch ein Stück Möglichkeit eines alternativen Entwurfes. Und die Möglichkeit eines Verweises auf die zermürbenden und zerstörerischen Wettbewerbs-, Konkurrenz.-, Leistungs-, Ausgrenzungs- und Aussonderungsstrukturen des digital-globalen kapitalistischen Zeitalters. Es es denn richtig, sich diesem Wahnsinn zu unterwerfen, kritiklos mitzumachen? Und doch sind die wohnungslosen und armen dieser Welt häufig nicht die antikapitalistischen Kämpfer, sondern die Opfer und Geschädigten eines solchen Systems, und oftmals ohne zu begreifen, wie genau die Mechanismen funktionieren, die ihnen da so über mitspielen. Chancen und Grenzen der Selbsthilfe kennen lernen
V. Methoden & Konzepte Sozialer Arbeit/ Heilerziehungspflege
VI. Eigenes ProjektEin eigenes Projekt durchzuführen, ist im Grunde eine Option, die nur für Menschen in Frage kommt, die bereits einige Erfahrung in der Arbeit mit wohnungslosen und armen Menschen haben sammeln können und die auch eine längere Zeit bei mob e.V./ strassenfeger mitarbeiten. Also eine Option für Menschen, die vielleicht schon ein paar Semester Soziale Arbeit/ Sozialpädagogik/ Heilerziehungspflege studiert haben und/ oder auf jeden Fall 3 Monate oder länger (das ist ein Richtwert, kein Gesetz) mitarbeiten,. Was nun kann ein solches Projekt sein? Es gibt durchaus Studienverordnungen und Praktikumsregularien, die ein solches Projekt fordern und verlangen, in der Regel in der Intention, daß damit die Befähigung und Eignung für ein selbständiges Handeln nachgewiesen werden kann. Insofern hängt die Frage nach der Wahl eines eigenen Projekts stark von diesen Vorgaben ab, und natürlich von dem jeweils individuellen Erkenntnisinteresse unter Bezugnahme auf tatsächliche Notwendigkeiten und Anforderungen. Es kann aber auch so sein, daß kleinere oder größere Projekte aus der laufenden Arbeit heraus entstehen, weil in Gesprächen und Diskussionen - etwa mit den NutzerInnen der Notübernachtung, dem Team oder überhaupt innerhalb des Vereins festgestellt wird, daß etwas wichtiges fehlt oder getan werden müßte. Daraus könnten eine ganze Reihe von Ideen entstehen, aus denen Projekte gemacht werden. Wichtig scheint mir nach den bisherigen Erfahrungen zu sein, daß Projekte, welcher Art auch immer, überschaubar und eher klein sein sollen - um die Beteiligten von überzogenen Erwartungen zu bewahren und auch, damit ein Gelingen wahrscheinlich bleibt. Alles andere hinterläßt nur eine Spur der Unzufriedenheit. Auch die Kommunikation innerhalb des Vereins ist entscheidet. Ein Projekt wird bereits in der Anfangsphase auf Schwierigkeiten stoßen, wenn niemand Bescheid weiß oder einbezogen wird. Umgekehrt, je früher, gründlicher und besser mögliche Beteiligte oder potentielle Unterstützer einbezogen werden, am besten gleich in der Ideenfindungs- und Planungsphase, desto besser. Grundsätzlich sind einige Handlungsbereiche für Projekte vorstellbar. Nachstehend eine unvollständige Aufzählung:
Beispiele für solche Projekte können sein:
Finanzierung & Material. Projekte kosten in der Regel Geld oder benötigen einen materiellen Aufwand. Gleichzeitig scheitern Projekte häufig genau an diesen Problemen. Deshalb ist eine Kalkulation der benötigten Gelder bzw. des Materials mit einer realistischen Kostenschätzung wichtig. Häufig ist das benötigte Material auch irgendwo im Projekt vorhanden. Die Kunst besteht darin, Menschen zu finden, die davon wissen und zweitens auch noch bereit sind, dieses Material zur Verfügung zu stellen. In finanzieller Hinsicht ist es noch schwieriger. Alle Verantwortlichen werden immer betonen, daß Geld im Prinzip nicht zur Verfügung steht. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Wenn das Team bzw. die Vereinsleitung von dem Projekt überzeugt ist, ist es auch möglich, daß dafür Gelder bereit gestellt werden. Du solltest also sehr frühzeitig Kontakt herstellen zu den Entscheidungsträgern, Dein Konzept vorlegen, die Vorteile und den Nutzen für den Verein klar schildern ebenso wie die Risiken, und dann zusehen, daß Du - gegebenenfalls nach einer nicht zu langen Bedenkzeit - eine verbindliche Zusage erhältst. Das Problem ist hier die Verbindlichkeit. Verbindlichkeiten in Bezug auf Ausgaben, das mögen Entscheidungsträger gar nicht. Das zur Verfügung stehende Mittel korrekt und zeitnah in Verbindung mit einem schriftlichen Projektbericht (muß für die Buchhaltung nicht ausführlich sein), einer "sachlich richtig"-Zeichnung, Datum und Unterschrift abgerechnet wird, versteht sich von selbst.
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| Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 13. Mai 2008 um 19:01 Uhr |

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