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Guten Tag!
Die Krankenwohnung in der Lehrter Straße ist seit dem Sommer des Jahres 2008 geschlossen und wurde von der Berliner Stadtmission gekündigt. Ganz offenbar eine Folge des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes, nachdem eine Pflichtversicherung für alle besteht und offenbar davon ausgegangen wird, dass auch Obdachlose unkompliziert in Krankenhäusernbehandelt werden können: Ganz eindeutig wurden von den Berliner Bezirken - trotz ausgesprochener Überweisungen durch die Ärzte - keine Kostenübernahmen mehr ausgestellt.
Nun ist es völlig absurd, zu glauben, ein obdachloser Mensch könne seine Krankheit auf der Parkbank auskurieren - solange Menschen mehr oder weniger auf der Straße leben und im besten Fall nur langsam wieder integriert werden können - ist eine Krankenwohnung oder besser Krankenstation mit ärztlicher Betreuung - notwendig und wird es auch bleiben. Das sieht auch die AG Leben mit Obdachlosen so, die sich mit dieser Thematik auf ihrer Herbsttagung 2008 befaßt hat. Die Senatorin für Soziales ist jetzt in der Verantwortung, mit allen Beteiligten zu reden, insbesondere auch mit den Krankenkassen zu verhandeln, die Finanzierung sicher zu stellen und unverzüglich durch eine Ausschreibung und Vergabe dafür Sorge zu tragen, dass dieses Angebot fortgesetzt wird.
Nachstehend dokumentiere ich den offenen Brief der AG Leben mit Obdachlosen vom 16.10.2008 an die Senatorin.
Berlin, 16.10.2008, Dr. Stefan Schneider
AG "Leben mit Obdachlosen" - Sprecherrat - c/o Evang. Kirche Heilig Kreuz-Passion Zossener Str. 65 10961 Berlin www.ag-lebenmitobdachlosen.de
Dr. Heidi Knake-Werner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Oranienstr. 106 10969 Berlin
Berlin, 16.10.2008
Krankenstation für wohnungslose Menschen hier: Konzeptionelle Neuausrichtung, Ausschreibung, Inbetriebnahme
Sehr geehrte Frau Senatorin Dr. Heidi Knake-Werner,
mit großem Unverständnis hat die Arbeitsgemeinschaft "Leben mit Obdachlosen" – ein Zusammenschluss von 70 Einrichtungen der niederschwelligen Hilfe für wohnungslose und arme Menschen in dieser Stadt – auf ihrer Herbsttagung am 09.10.2008 zur Kenntnis nehmen müssen, dass in einem schleichenden Prozess die Krankenstation für wohnungslose Menschen in der Lehrter Straße in Trägerschaft der Berliner Stadtmission zurückgefahren und der Vertrag von der Berliner Stadtmission letztlich gekündigt worden ist, so dass dieses wichtige Angebot für wohnungslose Menschen seit einigen Wochen nicht mehr zur Verfügung steht.
Da wir aus eigener Kraft nicht in der Lage sind, ein solches Angebot einzurichten, sehen wir Sie in der Pflicht, als zuständige Senatorin für den Bereich der Wohnungslosenhilfe sicher zu stellen, dass dieses so wichtige Angebot umgehend – mit einer veränderten und den neuen Umständen angepassten Konzeption – wieder eingerichtet wird.
Die Schließung der Krankenstation trifft insbesondere die Menschen, die gewissermaßen auf der Parkbank oder in unterschiedlichsten Verstecken, also buchstäblich auf der Straße leben. Dies ist zwar nicht die Mehrheit der Obdachlosen, jedoch eine nicht zu verleugnende Gruppe von Menschen in dieser Stadt.
Dieser Personenkreis kommt erst ins Krankenhaus, wenn ihr häufig schlechter Gesundheitszustand soweit eskaliert ist, dass eine Krankenhausbehandlung unabweisbar geworden ist (Lebensgefahr!). Und häufig ist eine stationäre ärztliche Versorgung allein dann gar nicht zielführend, weil sehr schnell wieder auf die Straße entlassen wird und in dieser Lebenssituation eine Pflege nicht erfolgen kann.
Es geht vor allem um schwere Erkältungskrankheiten wie Bronchitis, um Lungenentzündungen und Asthma, um gebrochene Beine, großflächige schon lange minderversorgte Wunden, um nur die wesentlichen pflegeerforderlichen Fälle zu nennen. Eine pflegerische Versorgung in einer Ambulanz reicht nicht aus, da den kranken obdachlosen Patienten keine tatsächliche Ruhemöglichkeit eingeräumt werden kann.
Auch können wir beobachten, dass zunehmend Menschen mit Migrationshintergrund und ohne gültige Papiere auf der Straße leben, die sich ebenfalls in einer bedrohlichen Gesundheitssituation befinden. Auch für diese Personengruppe reicht das ambulante ärztliche Angebot nicht aus, auch hier wird ein niederschwelliges stationäres Pflegeangebot mit einfachen Zugangswegen dringend benötigt.
Deshalb halten wir es für zwingend erforderlich, dass ein Krankenwohnungsangebot mit erforderlicher pflegerischer Versorgung so schnell als möglich wieder hergestellt wird.
Frau Senatorin, wir bitten Sie darum, zu dieser zunehmend prekären Situation Position zu beziehen und Abhilfe zu schaffen. Wir meinen, dass hier Gespräche mit den in der LIGA vertretenen Wohlfahrtsverbänden, mit den Krankenkassen sowie weiteren Experten der Wohnungslosenhilfe, z.B. VertreterInnen der medizinischen Angebote für Wohnungslose, insbesondere die Ärztinnen und auch der AG Leben mit Obdachlosen erforderlich sind, um aufgrund der veränderten Rechts- und Finanzierungslage schnellstmöglich eine konzeptionelle Neuausrichtung zu erarbeiten und eine Ausschreibung für eine solche Einrichtung durchzuführen.
Wir sind sicher, dass es möglich ist, Anbieter zu finden, die in der Lage sind, unter geänderten Voraussetzungen eine fachlich angemessene Konzeption umzusetzen und den Betrieb für eine Krankenwohnung/ Krankenstation zu gewährleisten.
Wir würden uns freuen, wenn wir zum Fest der Obdachlosen, das in diesem Jahr am 10.12. ab 14:00 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche stattfinden wird, erste konkrete Ergebnisse und das voraussichtliche Datum der Inbetriebnahme verkünden könnten.
Für Rückfragen und weitere Auskünfte stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Pfarrer Peter Storck, Jan Markowsky, Elke Lenz und die übrigen Mitglieder des Sprecherrates der AG Leben mit Obdachlosen
Ansprechpartner der AG: Elke Lenz 030 – 852 39 68
Kopien dieses Schreibens an -DW - Caritas - DPWV - Senatsverwaltung für Soziales, Abt. Wohnungslosenpolitik - Berliner Stadtmission - Beratungsstelle Levetzowstraße - AK Wohnungsnot - Gesundheitszentrum für Obdachlose von Jenny de la Torre - MUT - Caritas-Ambulanz für Wohnungslose - Malteser Migranten Medizin
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