 CH BIN NICHT MEHR DICHT? ICH BIN EIN DICHTER !
Jedes Gedicht ist ein Stück Preisgabe! Preisgabe! Ich habe einen Preis zu vergeben. Dieser Preis bin ich selbst. Preisgabe, das ist der Ausdruck meiner Identität, Bruchstücke erlebter Wirklichkeit. Jedes Stück Gedicht ist Schrei aus Einsamkeit und Isolation, ist bewußte und radikale Öffnung hin zum Kollektiv. Was sonst? Es ist der Ausdruck des Nicht- Sagbaren . Gedichte schreiben ist immer Partei ergreifen, engagiert sein, erzählen von Verlierern, von Leid. Gedichte schreiben heißt berichten von den Träumen schlafloser Nächte, von den vielen Wirklichkeiten, Welten, Phantasien und Visionen. So wie die Welt des Traumes real ist, so ist ein Gedicht real, es ist immer Annäherung an Wirklichkeit auf irrealem Wege, es ist Weg der Erkenntnis, es ist Erschließen von neuen Zusammenhängen, Abhängigkeiten. Jedes Gedicht ist Preisgabe, Preisvergabe, Preisvergebung, Vergebung. Jedes Gedicht ist ein Stück Vergebung, vergeben, ja, nicht vergessen, vergeben, aber weiterkämpfen.
Stefan Schneider 1984
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